Olympia oder Nolympia?

Was soll man dazu sagen, dass der Olympische Sport derzeit wenige Schlagzeilen produziert, die Sportinteressierte in freudiger Erwartung auf dieses Großereignis blicken lassen?

Die einen wollen nicht nach Rio, die anderen ziehen alle Register, um auf jeden Fall bei den Olympischen Spielen starten zu dürfen.

Als Golfer besteht schon eine gewisse Verwunderung über die fadenscheinigen Begründungen von Teilen der Golfelite, um auf gar keinen Fall an dieser „überflüssigen“ Veranstaltung teilnehmen zu müssen. Selbstverständlich kann und soll niemand gezwungen werden, aber dem Image und somit der Entwicklung des Golfsports ist dieses peinliche Gebaren von McIlroy & Co. wenig zuträglich. Leider existiert offensichtlich nicht bei jedem Profi, der doch eher auf der Sonnenseite des Lebens steht, ein inneres Bedürfnis dem Sport, der ihn so wohlhabend gemacht hat, etwas zurückgeben zu wollen. Das ist bedauerlich. Aus deutscher Sicht können wir jedoch froh sein, dass ein Martin Kaymer, das Aushängeschild des heimischen Golfsports, hoch motiviert zu Olympia reist.

Was treibt einen ehemaligen Olympiasieger, wie Thomas Bach an?

Die anderen, das ist der russische Sportverband, erhalten leider tatkräftige Unterstützung von Thomas Bach, einem ehemaligen deutschen Olympiasieger, der mit seinem Auftreten den olympischen Geist, welchen er eigentlich bewahren soll, mit Füßen tritt. Es ist eine Schande, wie Funktionäre, ob in der FIFA, UEFA oder im IOC ansässig, die Werte, die der Sport vermitteln soll, ad absurdum führen. Die Chuzpe, mit der dabei vorgegangen wird, macht einen als Sportler wütend. Die großzügige Geste, die  Whistleblowerin Julia Stepanowa als Gast des IOC zu den Spielen einladen zu wollen, ist an Zynismus nicht zu überbieten. Vielleicht  als Sitznachbarin von Wladimir Putin bei der Eröffnungsfeier? Im Falle eines Thomas Bach fragt man sich zudem: Warum ist er überhaupt Präsident des IOC geworden? Wem ist er verpflichtet? War er gar selbst als Aktiver gegenüber den Möglichkeiten, die der Einsatz unerlaubter Mittel bietet, sagen wir, zumindest nicht von übertriebener Skepsis geprägt? Verrät da jemand seine Ideale oder hatte er nie welche?  Ansonsten ist wohl kaum zu erklären, warum jemand versucht seinen Sport abzuschaffen. Was liegt also neben der vollkommenen Entrücktheit, die durch Taten und Aussagen belegt wird, vor? Abhängigkeit und/oder Skrupellosigkeit?

Zum Schluss möchte ich Robert Harting noch meinen Respekt zollen. Es ist ganz und gar nicht gewöhnlich, sich als noch aktiver Sportler mit dem Establishment anzulegen und seiner Überzeugung Ausdruck zu verleihen. Für sein Auftreten muss man sich glücklicherweise nicht schämen.

Crossmediale Werbekampagne des DGV – Flop oder Top?

2014 beschlossen die Mitglieder des DGV die Durchführung einer über mehrere Jahre angelegten und nahezu € 5 Mio. kostenden Werbekampagne. Darauf hin lief im vergangenen Jahr unter anderem ein TV-Spot im Öffentlich-rechtlichen sowie im Privatfernsehen zu verschiedenen Sendezeiten. Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen streiten. Und somit auch über die Qualität der Ansprache von potentiellen Zielgruppen durch diesen Spot. Dies soll hier aber nicht das Thema sein. Einige Clubs beteiligten sich an der Kampagne anhand der zur Verfügung gestellten Werkzeuge, wie Flyer, Plakate, dem Golf-Erlebnistag etc.

Beim Blick auf die Zuwachsraten im Bereich Neukundengewinnung stellt sich heute jedoch Ernüchterung ein. Die Anzahl der organisierten Golfer stieg innerhalb eines Jahres von ca. 639.000 (2014) um weniger als 0,2 % auf ca. 640.000 (2015). Eine Wachstumsrate wie sie bereits für 2014 festgestellt wurde. Hier bedarf es der grundlegenden Analyse der Gründe, die sehr clubspezifisch sein können und nicht ausschließlich auf demographische Faktoren zurückgeführt werden können.

Ohne dabei ins Detail gehen zu müssen, ist festzustellen, dass der Golf-Erlebnistag und darauf abgestimmte Printprodukte als mehr oder weniger einzige Maßnahmen, wie vieler Orts praktiziert, zu kurz greifen. Die Marketing-Unterstützung des DGV ist flankierend zu betrachten. Ohne durchdachte und sorgfältig geplante, individualisierte Maßnahmen der einzelnen Clubs musste die crossmediale Werbekampagne weitestgehend wirkungslos verpuffen.

Quo vadis, Golfsport?

In diesem Zusammenhang elementare Fragestellungen lauten:

  • Kenne ich als Verantwortlicher einer Golfanlage die Bedürfnisse meiner existierenden sowie meiner potentiellen Kunden?
  • Bin ich bereit darauf einzugehen?
  • Womit kann ich diese Bedürfnisse befriedigen und wie kann ich potentielle Kunden glaubhaft davon überzeugen, dass sie nur bei uns Ihre Bedürfnisse befriedigt bekommen?

Es bleibt zu hoffen, dass aus den Fehlern des vergangenen Jahres die richtigen Schlüsse gezogen werden, um der anhaltenden Stagnation entgegenzuwirken.

Hierbei sind in erster Linie die Clubs selbst gefragt. Sie verantworten Ihr Image. Sie können vor Ort die Distanz vieler zum Golfsport reduzieren und für Golfbegeisterung sorgen.

Professionelles Marketing, die Lebensversicherung für Golfanlagen

Immer wieder höre ich bei meinem Besuchen auf Golfanlagen Sätze wie: „Wir brauchen kein Marketing“ oder „Wir haben einen sehr engagierten Vorstand, der das Marketing selbst macht.“ Warum verzichten manch Verantwortliche darauf, professionelle Marketingberatung in Anspruch zu nehmen? Kostengünstiges Management ist grundsätzlich empfehlenswert, aber warum wird gerade an dieser Stelle gespart?

Welcher ehrenamtliche Vorstand käme auf die Idee bei Zahnschmerzen nicht zu einem Zahnarzt, sondern zum Malermeister, weil dieser zufällig auch im Vorstand sitzt und den Zahn kostenlos ziehen kann, zu gehen?

Leider geschieht genau dies, wenn es um das Thema Marketing geht. Um vermeintlich hohe Kosten für eine Beratung einzusparen, werden Marketinglösungen auf internem Weg angegangen – ob nun Marketingkompetenz vorhanden ist oder nicht. Diese „Lösungen“ enden häufig in einer kleinen Anzeigenkampagne, im Drucken von Werbeflyern, der Durchführung eines Tages der offenen Tür oder  ähnlichem. Darüber hinaus wären eventuell grundlegende Verbesserungen zum Beispiel in der Service- und Angebotsqualität zielführend gewesen.

In diesem Zusammenhang ist es interessant, vollkommen normale menschliche Eigenschaften zu betrachten. Dazu gehört das Nachlassen der Aufmerksamkeit in vielleicht auch elementaren Teilbereichen. Man wird betriebsblind und erkennt manche Dinge, die einem Außenstehenden auffallen, fehlen oder stören, nicht mehr.

Ein  Beispiel stellt die Beschilderung auf Golfplätzen dar. Langjährige Mitglieder kennen jeden Grashalm und benötigen keine Hinweisschilder zum nächsten Tee. Ein Gast jedoch weiss nicht, wo es weiter geht, wenn die Beschilderung so ungünstig platziert ist, dass man sie vom Grün oder auf dem Weg dorthin nicht ohne weiteres erkennen kann. Einem zügigen Spiel ist dies nicht zuträglich.

Ärgerlich ist auch der fehlende Hinweis des Sekretariats beim Einchecken, dass der Ballautomat nur Token annimmt. Nach fünf  Minuten Fußweg stellt man dann am Automaten fest, dass kein Kleingeld akzeptiert wird und man wieder zum Clubhaus zurücklaufen darf.

Überhaupt nicht akzeptabel ist aber der Mangel an Getränkeversorgung durch den Marshall bei 35° C auf einer 18-Loch-Runde. Wenn dieser dann, nach drei Stunden in der Gluthitze, in seinem Cart am Horizont auftaucht und man sich bereits über ein gut gekühltes Getränk freut, darf man kurz darauf mit besonderer Freude feststellen, dass der einzige Zweck des Besuchs die Kontrolle des Green-Tags ist. Wenn man dann auf die Frage, warum  keine Kühlbox an Bord sei, die Antwort erhält: „Das rechnet sich nicht.“ Dann fehlen einem endgültig die Worte.

Erfolgreiches Marketing berücksichtigt nicht nur den Einsatz von Kommunikationsmitteln, sondern beruht auch auf der Analyse des Produktes an sich, um neue Kunden für die eigene Anlage zu begeistern und nicht durch den Mangel an Service abzuschrecken. Golfer sprechen untereinander und sprechen Empfehlungen aus – oder eben nicht.

Wohin geht der Weg – Breitensport oder elitärer Zeitvertreib?

Die Wachstumszahlen des Golfsports verheißen nichts Gutes. So konnte zwar bei der Anzahl der in einem Golfclub registrierten Mitglieder in Deutschland 2014 noch ein minimales Wachstum von 0,2 % erzielt werden. Sollte es aber zu keiner Trendumkehr kommen, ist in den kommenden Jahren ein Schrumpfen des Marktes zu erwarten. Was international schon länger Fakt ist, trifft in schleichendem, aber stetem Tempo auch auf Deutschland zu.

Begeisterung inaktiver Zielgruppen

Um dieser Entwicklung entgegen wirken zu können, bedarf es neuer Marketingmaßnahmen. Es reicht als Betreiber einer Golfanlage nicht aus, darauf zu warten, dass sich die Zeiten ändern und die Golfinteressierten von selbst den Weg auf die Anlage finden. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Hier ist kreative Aktivität gefragt. Flexible Mitgliedschaften, das Reduzieren der Eintrittsbarrieren und auf den ersten Blick sportartfremde Angebote zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Anlage stellen Möglichkeiten dar, Kunden zu gewinnen, ohne an der Preisschraube drehen zu müssen.

Abgrenzung zwischen „Elite-Club“ und „Volksgolf-Anlage“

Der Markt ist groß genug, um verschiedenen Kundenwünschen entsprechend das richtige Angebot machen zu können. Das Image des Golfsports wird in Deutschland jedoch immer noch von Clubs geprägt, die sich der Normalbürger nicht leisten kann oder will. Für Clubs, die sich mit diesem Image nicht identifizieren können, die damit aber gleichgesetzt werden, ist eine kommunikative und inhaltliche Abgrenzung unabdingbar. Dies gilt für Clubs des bürgerlichen Mainstreams als auch für „Volksgolf-Anlagen“ gleichermaßen.

Solheim Cup und Ryder Cup als Marketinginstrumente

Als für den einzelnen Club nahezu kostenlose Marketingkampagne bieten der dieses Jahr in Deutschland stattfindende Sollheim Cup und der hoffentlich bald kommende Ryder Cup ungeahnte Möglichkeiten. Weshalb nur ca. 2/3 aller im DGV zusammengeschlossenen Golfclubs der, ausschliesslich bei Erteilung des Zuschlags für den Ryder-Cup fälligen, Sonderabgabe in Höhe von 3 € je Mitglied und Jahr zugestimmt haben, ist in diesem Kontext nicht unbedingt nachzuvollziehen. Auf dem Weg zum Breitensport stellt dies jedenfalls keine Hilfe dar.

 

 

 

Fördert der Fokus auf die Altersgruppe 50plus die Popularität?

Wie oft habe ich von meinen Flight-Partnern gehört, dass sie lieber früher mit dem Golf spielen begonnen hätten und nicht erst mit dem Eintritt ins Rentenalter. Natürlich war das, aus beruflichen oder familiären Gründen, für manch einen auch ein Zeitproblem, aber oftmals bestand keine Kenntnis über den Spaßfaktor des Golfens und die Kultur in einem Golfclub. Auch das häufig zu Unrecht existierende, elitäre Image hielt viele davon ab, eine Golfanlage zu betreten. Davon nehme ich mich nicht aus.

Fokussierung auf die Altersgruppe 50plus

Im Programm 2018 des Deutschen Golf Verbandes (DGV) wird die Strategie ausgegeben, sich bei der Mitglieder- und Kundengewinnung auf die Altersgruppe 50plus zu konzentrieren. An selber Stelle ist nachzulesen, dass bei den unter 50-jährigen ein Nachfragerückgang festzustellen sei. Warum aber soll genau diese zahlenmäßig durchaus beträchtliche und wirtschaftlich wichtige Altersgruppe aus dem Fokus rücken? Warum wird nicht versucht, die Generationen zu begeistern, die ein hohes Wachstumspotential besitzen?

Bestätigung des bestehenden Golfsport-Images durch den DGV

Die Lösung des Problems des Nachfragerückgangs liegt im Anpacken des Imageproblems des Golfsports in Deutschland, nicht in seiner Bestätigung. Der Golfsport in Deutschland besitzt vielerorts das Image, er sei allein die Beschäftigung der Alten und Reichen. Werden diese Vorurteile vom Dachverband des Golfsports in der Kommunikation bestätigt, geschieht nichts anderes, als den Zielgruppen, die bislang nicht ausreichend aktiviert werden konnten, mitzuteilen: Golf ist nichts für junge Menschen.

Ausrichtung der Marketingstrategie auf Jugendliche und Familien

Um ein nachhaltiges Wachstum erzielen zu können, bedarf es meiner Meinung nach einer Marketingstrategie, die Jugendliche, junge Erwachsene und vor allem Familien ins Zentrum stellt. Zielgruppen-Branding erfolgt nicht erst bei den Senioren.

Laut adidas ist die weltweit einflussreichste Konsumentengruppe die der 14- bis 19-jährigen. Spätestens in diesem Alter entscheidet sich, ob der Kunde Puma-, adidas- oder Nike-Jünger wird. Die Schlussfolgerung, die adidas daraus zieht heißt, Jugendliche für die Marke zu begeistern. Aber kaufen ausschließlich Jugendliche adidas-Produkte? Nein!

Ich bin überzeugt, dass eine Marktsättigung bei weitem noch nicht erreicht ist. Golf, als eine der technisch anspruchsvollsten Sportarten, wird aber mit der 50plus-Strategie nicht aus seiner weitestgehend unbeachteten Nische herauskommen können. Hier muss ein Umdenken erfolgen, um den Clubs neue, vor allem jüngere Zielgruppen zu erschließen und auf den Wachstumspfad der vergangenen Jahre zurückzufinden.